Krankheitsbild: Bulimie

Krankheitsbild: Bulimie

Wer Hunger hat, muss essen. Wer gegessen hat, fühlt sich satt. Ein eigentlich normales Verhältnis aus Hunger und Sättigung bereitet über einer halben Million an Essstörungen erkrankter Menschen Schwierigkeiten.

Was ist Bulimie?

Essstörungen zeichnen sich dadurch aus, dass Betroffene nur noch ans Essen denken. Gepaart mit einem verzerrten Selbstbild und einem Kontrollzwang führen Essstörungen häufig zu sozialer Isolation und schweren Folgeerkrankungen. Bulimie  (auch Ess-Brechsucht genannt) ist eine schwere psychische Erkrankung. Betroffene leiden an starken Essanfällen, die zu Schuldgefühlen führen - kombiniert mit streng kontrolliertem Essverhalten. Als Folge ergreifen an Bulimie Erkrankte drastische Gegenmaßnahmen, wie:

  • Selbst herbeigeführtes  Erbrechen
  • Hungern
  • Extreme Diäten
  • Exzessiver Sport
  • Missbrauch von Abführmitteln und Brechmitteln

Diese Maßnahmen resultieren in einem Gefühl der Selbstkontrolle und bestärken Bulimie-Erkrankte in dem Denken das Richtige zu tun.
Etwa 70 bis 90 Prozent der Bulimie-Erkrankten erbrechen ihre Nahrung sofort wieder.

Die Ursachen für die Entwicklung von Bulimie sind vielseitig. Verschiedene Faktoren können schon in der Pubertät Bulimie auslösen:

  • Schwaches Selbstwertgefühl
  • Wunsch nach Anerkennung
  • Wunsch nach Anpassung an vorhandene Schönheitsideale
  • Familiäre Einflüsse und Vorgaben
  • Genetische Ursachen

Bulimie-Erkrankte sehnen sich nach einer schlanken Figur und sind extrem auf ihre Figur fixiert. Im Gegensatz zu Magersüchtigen streben sie jedoch kein starkes Untergewicht an. Sie schämen sich für ihre Erkrankung und halten sie deswegen oft geheim. Menschen mit Bulimie sind deswegen schwer zu erkennen, da Sie von außen gesund wirken und normalgewichtig sind.

Das häufige Erbrechen und der Verlust der aufgenommen Nahrung hat schwerwiegende Folgen für den Körper. Im Gegensatz zur Magersucht ist die Sterberate bei Bulimie verhältnismäßig gering. Häufige Folgen sind:

  • Herzmuskelschwäche
  • Osteoporose
  • Nierenschäden
  • Magenriss
  • Zahnschäden
  • Gastritis
  • Unfruchtbarkeit

Abgesehen von den gravierenden körperlichen Schäden, ist eine Folgeerkrankung an Depression keine Seltenheit. Sollten Sie bei sich oder Ihrem Kind ein ungewöhnliches Essverhalten feststellen, ist ein Besuch beim Arzt ratsam.

Überwiegend Frauen zwischen 15 und 35 Jahren erkranken an Bulimie. Bulimie ist wegen der gegebenen Schönheitsideale vor allem in der westlichen Welt verbreitet. Ebenso betroffen sind Berufsgruppen, in denen das Aussehen und die Figur eine entscheidende Rolle spielen, z.B. Sportler, Models, Schauspieler, Tänzer.

Was sind Symptome für Bulimie?

Die typischen Symptome für Bulimie sind:

  • Essanfälle: Menschen mit Bulimie essen in kurzer Zeit deutlich mehr als die meisten. Die Anfälle erfolgen im Geheimen.
  • Kontrollverlust beim Essen
  • Verzerrte Selbstwahrnehmung
  • Missbrauch von Abführmitteln und Brechmitteln
  • Exzessiver Sport
  • Strenge Diäten
  • Energie- und Antriebslosigkeit
  • Karies (durch häufiges Erbrechen)
  • Schwielen an den Fingern
  • Psychiatrische Erkrankungen (Depression, Angststörungen)

Wie wir Bulimie behandeln

In der MEDICLIN Seepark Klinik behandeln wir Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene mit Bulimie in der Klinik für Akutpsychosomatik bei akuten Zuständen und der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie im Zentrum für Essstörungen rehabilitativ. Bei akuten Symptomen stabilisieren wir Sie im akutstationären Bereich, das bezieht sich vor allem auf schwere körperliche Folgeerkrankungen, die das Erbrechen mit sich bringen kann. Nach dieser Stabilisierung, können wir Sie in die Reha verlegen.

Diagnostik

In einem umfassenden Arztgespräch klären wir zunächst die Schwere Ihrer Erkrankung und der Begleitdiagnosen. Die psychologische Diagnostik umfasst standardisierte psychodiagnostische Verfahren, spezifische Fragestellungen und ggf. den Einsatz von Leistungstests. Im Einzelfall werden auch neuropsychologische Tests eingesetzt. Bei Kindern nutzen wir spezielle, altersangemessene psychologische Verfahren. Um auszuschließen, dass körperliche Krankheiten oder Medikamente für Ihre Symptome verantwortlich sind, erfolgt nach dem Gespräch eine körperliche Untersuchung. Schilddrüsenfunktionsstörungen oder bestimmte Psychopharmaka können Heißhungerattacken auslösen, die einer Bulimie ähnlich sind. Gleichzeitig untersuchen wir Sie auf durch Bulimie verursachte Folgeschäden. Zum Ausschluss von Organschädigungen führen wir eine umfangreiche Diagnostik, Blutanalyse und Sonografie (Ultraschall) durch. Durch das Erbrechen können z.T. lebensbedrohliche Elekrolytstörungen auftreten. Über einen Bluttest können wir Ihren Mineralhaushalt prüfen. Die Untersuchungsmethoden sind z. B.:

  • Klinisch-chemisches Labor, inklusive Blutgasanalyse Ruhe-EKG (Sonographien, Langzeit-EKG, Langzeit-Blutdruckmessung, Labor)
  • Ruhe-EKG, Langzeit-EKG 
  • Langzeit-Blutdruck-Messung
  • Belastungs-EKG (inkl. Verlaufskontrollen zur Dokumentation erreichter Verbesserungen) 
  • Echokardiografie (inklusive Farbdoppler-Echokardiografie)
  • Sonografie (Ultraschall): Abdomen (inklusive Harnblase), Schilddrüse, Speicheldrüsen 
  • Farbduplexsonografien der extracraniellen Gefäße und der Extremitätengefäße (arteriell und venös)

Therapiebausteine

Beim Aufnahmegespräch besprechen wir gemeinsam Therapieziele und die geplanten Therapiebausteine.  
Je nach Schwere oder individuellen Zielen der Therapie, nutzen wir eine Kombination verschiedener Therapien.
Unser geschultes Team aus Ärzten, Psychotherapeuten, Psychologen, Ernährungsberatern sowie Kunst- und Musiktherapeuten ermöglicht Ihnen eine vielschichtige Therapie. Bestehend aus:

  • Psychotherapie: Einzeln und in der Gruppe
  • Indikative Gruppentherapie (bei Depressionen, Ängsten, zum Stressmanagement und Emotionsregulation)
  • Ernährungstherapie
  • Lehrküche / Einkaufstraining
  • Gemeinsame Mahlzeiten im Rahmen des betreuten Essens
  • Konzentrative Bewegungstherapie
  • Kunsttherapie
  • Psychoedukation (lernen Sie mehr über Magersucht und wie Sie mit Ihr umgehen können)
  • Soziotherapie
  • Physiotherapie
  • Kunsttherapie (wir helfen Ihnen psychische Prozesse zu visualisieren)
  • Musiktherapie (Therapeutisches Singen, Einzeln- oder als Gruppe, kann helfen Gefühle auszudrücken)
  • Ergotherapie
  • Entspannungstraining
  • Tanztherapie
  • Reittherapie
  • Spezialtherapeutische Freizeitgestaltung (z. B. Theatergruppe, kreatives Schreiben)
  • Etablierung einer verbindlichen Tagesstruktur
  • Familientherapie, Familiengespräche: Da eine Essstörung sowohl das Leben des Betroffenen als auch das seiner Angehörigen und Freunde deutlich beeinflusst, beziehen wir die Angehörigen in die Therapie mit ein. Während für den Betroffenen neben den mit der Erkrankung verbundenen körperlichen Einschränkungen und Gefahren auch eine gravierende Veränderung seines Alltags (z.B. der Rückzug von Freunden) stattfindet, fühlen sich Angehörige oft hilflos und wissen nicht, wie sie mit der betroffenen Person umgehen sollen. Uns ist es daher wichtig, neben dem Betroffenen auch die Bezugspersonen der Patienten in den therapeutischen Prozess miteinzubeziehen. Betroffene und Angehörige sollen auf den gemeinsamen Alltag und einen genesungsförderlichen Umgang miteinander vorbereitet werden. Auch bei erwachsenen Patienten binden wir die Familien ein.

Besondere Angebote

  • Schulpflichtige Kinder und Jugendliche können in unserer Klinik den Schulunterricht besuchen. Lehrer der örtlichen Schulen unterrichten in der Klinik (Grundschule bis gymnasiale Oberstufe). Außerdem sind gemeinsame Gespräche mit Lehrern, Sozialpädagogen und ambulanten Therapeuten möglich.
  • Quartalsweise bieten wir ein dreitägiges Familienseminar an.
  • Mitaufnahme eines Elternteils soweit therapeutisch notwendig. 

In der Klinik für Akutpsychosomatik ist das Ziel, akute Beschwerden zu lindern und erste Therapieerfolge zu erreichen. Die Rehabilitation schließt meist direkt an die Akutbehandlung an. Das Ziel der Reha ist die Wiederherstellung eines normalen, gesunden Essverhaltens sowie einer kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Selbstwahrnehmung. Die Erfolge aus der Akutbehandlung werden hier gefestigt.

Wer Sie behandelt

Dr. Bianca Schwennen

Dr. Bianca Schwennen

Leitende Oberärztin der Klinik für Akutpsychosomatik Erwachsene

Dr. med. Gudrun Siever-Heimeshoff

Dr. med. Gudrun Siever-Heimeshoff

Oberärztin der Klinik für Akutpsychosomatik Erwachsene

Jan Schiborr

Jan Schiborr

Therapeutische Leitung der Rehabilitationsklinik für Kinder-, Jugend- und Familienpsychosomatik und Psychotherapie

Dr. Max Holger Warnke

Dr. Max Holger Warnke

Chefarzt der Rehabilitationsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Erwachsene

Elena Damyanova

Elena Damyanova

Leitende Oberärztin der Rehabilitationskllink für Psychosmatische Medizin und Psychotherapie Erwachsene

Wie Sie uns kontaktieren können

Bettina Barkovits

Bettina Barkovits

Patientendisposition Klinik für Akutpsychosomatik

MEDICLIN Seepark Klinik