Übergewichtige und adipöse Kinder und Jugendliche
Was ist Übergewicht bzw. Adipositas?
Behandlungsziele: Gewicht senken, Verhalten ändern, Selbstwertgefühl stärken
Therapiekonzept: teilstationäres Phasenmodell für langfristige Lerneffekte
Stärkung von Selbstbewusstsein und Willensbildung
Schulung des Ernährungswissens
Bewegungsprogramm und begleitende Angebote
Therapeutenteam und Qualitätssicherung
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Was ist Übergewicht bzw. Adipositas?
Von Übergewicht spricht man bei Kindern und Jugendlichen dann, wenn das Körpergewicht, bedingt durch eine vermehrte Fetteinlagerung, oberhalb eines für Alter und Geschlecht üblichen Normbereiches liegt.
Wenn das Körpergewicht besonders weit über der Norm liegt oder wenn bereits gesundheitliche Beeinträchtigungen hinzu gekommen sind, spricht man auch von extremem Übergewicht bzw. Adipositas.
Zur medizinischen Beurteilung des Körpergewichts wird zunächst der Körper-Massen-Index (BMI) ermittelt. Dazu wird das Körpergewicht in Kilogramm durch das Quadrat der Körpergröße in Metern geteilt:

Da das Körpergewicht im Kindes- und Jugendalter anders als bei Erwachsenen zu beurteilen ist, werden spezielle BMI-Tabellen zur Beurteilung herangezogen. Ein BMI oberhalb der 90%-Marke bedeutet Übergewicht, oberhalb der 97%-Marke spricht man von Adipositas.
Übergewicht ist weltweit zu einem Problem geworden, auch schon bei Kindern und Jugendlichen. Bereits jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche ist übergewichtig. Die Zahlen steigen weiterhin.
Mit dem Übergewicht gehen nicht nur gesundheitliche Folgeerkrankungen einher, sondern gerade Kinder und Jugendliche werden häufig wegen ihres Gewichts gehänselt oder diskriminiert und erleben dadurch auch psychische Belastungen.
Deshalb hat die MediClin Seepark Klinik ein spezielles Behandlungskonzept zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht entwickelt. Es zeichnet sich dadurch aus, dass die Familie des betroffenen Kindes in die Behandlung eingebunden ist. Die Mutter (oder der Vater) kann gleichzeitig mit der Behandlung des Kindes an einer sehr intensiven Schulung in unserem Hause teilnehmen. Eine weitere Besonderheit unseres Konzepts ist, dass die stationäre Behandlung durch eine so genannte „Testphase” unterbrochen wird, in der die Familie Gelegenheit hat, das Erlernte im häuslichen Alltag zu erproben. Dies ermöglicht den Familien, die zu Hause aufgetretenen Schwierigkeiten in der zweiten, stationären Behandlungsphase gemeinsam mit den Therapeuten zu bearbeiten.
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Aufnahmekriterien
Wir behandeln Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 18 Jahren sowohl mit Adipositas als auch mit Übergewicht, wenn gleichzeitig somatische, psychische und/oder psychosoziale Beeinträchtigungen bestehen.
Zur Behandlung wird bei den Kindern und den jüngeren Jugendlichen ein Elternteil stationär mit aufgenommen (Begleitperson). In denjenigen Fällen, in denen die Bedeutung des elterlichen bzw. häuslichen Umfeldes an Wichtigkeit verliert, wie beispielsweise bei älteren Jugendlichen, wird über die Mitaufnahme eines Elternteils im Einzelfall entschieden.
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Behandlungsablauf
Der Behandlungsablauf gliedert sich in eine stationäre Initialtherapie, gefolgt von einer Intervallphase im häuslichen Umfeld unter Beteiligung von Kinder- und Hausarzt. Den Abschluss bildet ein erneuter Klinikaufenthalt, der der langfristigen Sicherung des Erreichten dient.
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Behandlungsziele: Gewicht senken, Verhalten ändern, Selbstwertgefühl stärken
Unser Therapieziel ist eine langfristige Senkung des alters- und geschlechtsspezifischen BMI in den Normalbereich (unter die 90%-Marke) sowie die Stabilisierung in diesem Bereich. Gleichzeitig sollen bereits bestehende Begleiterkrankungen, insbesondere auch seelische, mitbehandelt und die Entstehung von medizinischen und psychosozialen Folgeerkrankungen der Adipositas vermieden oder in ihrem Schadenswert verringert werden.
Die langfristige Reduktion des Gewichts soll durch eine aktive Beeinflussung des gewichtsrelevanten Lebensumfeldes sowie durch die Förderung normaler körperlicher, psychischer und psychosozialer Entwicklung der Kinder erreicht werden. Weitere Ziele diesbezüglich sind die Veränderung und Verbesserung des Ess- und Bewegungsverhaltens sowie die Stärkung des Selbstwertgefühls.
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Therapiekonzept: teilstationäres Phasenmodell für langfristige Lerneffekte
Die Behandlung erfolgt innerhalb eines multidisziplinären Therapieprogrammes, das sämtliche individuellen Auslöser der Adipositas, sowohl des Kindes als auch der Familie, berücksichtigt. Da es für einen langfristigen Behandlungserfolg notwendig ist, die Familie und das soziale Umfeld in die Therapie einzubinden, nehmen wir eine primäre Bezugsperson der Kinder mit auf. Wir schulen sie ebenso intensiv wie die Kinder, da sie prägend für den häuslichen Lebensstil ist und so die mit unserem Programm angestrebten Verhaltensänderungen einen höheren Grad an Verbindlichkeit erhalten.
Zu Beginn des ersten stationären Aufenthalts wird neben der medizinischen und der psychologischen Anamnese der aktuelle Ernährungszustand sowie das Ess- und Bewegungsverhalten der einzelnen Familien erhoben, um einen individuellen Therapieplan erstellen zu können. Gemeinsam mit den Familien werden Therapieziele festgelegt, die im Verlauf der Therapie mehrfach überprüft und, wenn nötig, modifiziert werden.
Die Familien nehmen an unserem intensiven Schulungsprogramm teil, welches Ernährungsschulung, betreutes Essen, Sport/Bewegung, Psychotherapiegruppe und Kreativtherapie beinhaltet. Neben der Wissensvermittlung, die für das Verständnis der Entstehung und Behandlung der Adipositas im Kindes- und Jugendalter notwendig ist, liegt ein großer Schwerpunkt der einzelnen Bausteine darauf, durch verhaltenstherapeutische Maßnahmen langfristige Änderungen des Ess- und Bewegungsverhaltens im Alltag der Familien zu etablieren. Kernstück unseres Behandlungsprogrammes ist die Analyse (u.a. videogestützt) und die Behandlung problematischer Familienstrukturen, Kontakt- und Beziehungsstörungen sowie intrapsychischer Defizite der Kinder und Jugendlichen. Beispielhaft seien hier Familien erwähnt, in denen Zuwendung in Form von Essen gegeben wird, außerdem „Frustesser”oder Kinder, die auf Grund ihrer Adipositas gehänselt und ausgegrenzt werden und dadurch einen psychischen Defekt erleiden. Durch die Intensität des Schulungsprogrammes ergibt sich ein sehr enger Patienten-Therapeuten-Kontakt. Er ermöglicht es, mit den Familien individuelle Strategien und Techniken zu erarbeiten, die dem Kind helfen, die neu erlernten Verhaltensweisen beizubehalten und weiter zu festigen.
Während der ambulanten Zwischenphase und nach Ende der Behandlung ist der Haus-/Kinderarzt der Partner der Familien vor Ort. Er führt aktuelle Gewichtsmessungen durch und überprüft, ob und wie die für zu Hause gesteckten Ziele erreicht werden. Er erörtert auftretende Fragen und fördert und begleitet die Familien in ihrem Gestaltungsprozess. Detaillierte Vorschläge zum Vorgehen enthalten unsere Entlassungsberichte.
In der zweiten stationären Behandlungsphase, die zwei Wochen dauert, wird der in der ersten Phase begonnene Prozess wieder aufgegriffen und intensiviert. Zu Hause aufgetretene Probleme werden analysiert und zusammen mit den Patienten eine mögliche Lösung erarbeitet. Da gleichzeitig die Kinder wieder auf die ehemaligen Mitpatienten treffen, sind auch diesbezüglichlich günstige Effekte zu erwarten (Verhalten in der Peer-Group); d.h. wir schaffen einen Rahmen, in dem sich die Kinder und Jugendlichen gegenseitig anspornen, die selbst gesteckten Ziele zu erreichen, sodass es zu einer langfristigen Gewichtsreduktion kommt.
Therapiesetting: Die Kinder bzw. Jugendlichen werden in drei verschiedene Altersgruppen eingeteilt. Es werden Kinder von 6 bis 9 Jahren, 10 bis 13 Jahren und 14 bis 18 Jahren zu Gruppen zusammengefasst. Die begleitenden Eltern werden jeweils in einer separaten Therapiegruppe geschult.
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Stärkung von Selbstbewusstsein und Willensbildung
In der Kindergruppenpsychotherapie steht die Bearbeitung von intrapsychischen und interpersonellen Konflikten der jungen Patienten im Vordergrund. Im Sinne einer Komorbidität bestehende psychische Störungen wie Angst oder Depression werden hier thematisiert. Therapiefokus ist die Stärkung der Selbstkompetenz und des Selbstwertgefühls. Gegebenenfalls werden in diesen Gruppen auch Krisen der Adoleszenz bearbeitet. Es werden spieltherapeutische, gestalttherapeutische, psychodramatische und verhaltenstherapeutische Methoden angewandt.
Parallel zur Kinderpsychotherapiegruppe findet für die begleitenden Elternteile eine Psychotherapiegruppe der Eltern unter Einbeziehung familien- und verhaltenstherapeutischer Aspekte statt. Es werden die für die Entstehung, Aufrechterhaltung und Überwindung der kindlichen Adipositas psychologischen Zusammenhänge erörtert und bearbeitet, anhand von Videoaufzeichnungen Eltern-Kind-Beziehungsmuster analysiert und schrittweise modifiziert. Auf dieser Grundlage wird gemeinsam mit den Eltern ein individuelles Lösungsmodell entwickelt. Die Ergebnisse der Eltern- und Kindergruppen werden im therapeutischen Verlauf zusammengeführt.
Darüber hinaus nehmen alle Kinder und Jugendlichen an der Kunsttherapie teil. Durch das kreative Tun mit unterschiedlichen Materialien (Ton, Farbe etc.) wird einerseits das Selbstbewusstsein gestärkt, andererseits die Konzentrationsfähigkeit und die Motivation zur eigenen Willensbildung unterstützt. Weiterhin dient die Kunsttherapie dazu, im Umgang mit diesen Materialien sinnliche Erfahrungen zu machen und den eigenen Körper zu erleben. Gemeinsame Kunstaktionen mit allen Kindern dienen dazu, die Konflikt-, Kommunikations- und Beziehungsfähigkeit der Kinder zu schulen und zu fördern.
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Schulung des Ernährungswissens
Für Kinder und Eltern findet sowohl in getrennten als auch in gemeinsamen Veranstaltungen eine Schulung des Ernährungswissens statt. In dieser Schulung werden mit altersgerechten Methoden die Grundlagen einer dem Alter angepassten und bedarfsgerechten Mischkost vermittelt, ebenso physiologische Grundlagen der Ernährung, Ursachen und Risiken des Übergewichts und der flexible Umgang mit Süßigkeiten und Fastfood. Eltern und Kinder lernen hier Methoden zur Selbstkontrolle kennen und einsetzen. Ernährungsphysiologische und psychologische Fragestellungen, wie z.B. der Umgang mit kritischen Esssituationen, Heißhungerattacken sowie die Entwicklung entsprechender Lösungsstrategien werden hier trainiert. Die Schulung ist sehr praxisorientiert.
Bei den Mahlzeiten (Betreutes Essen), die gemeinsam mit einer Ernährungsfachkraft eingenommen werden, werden die Grundlagen der alters- und bedarfsgerechten Mischkost praktisch vermittelt. Eltern und Kinder lernen, geeignete Portionsgrößen einzuschätzen und Speisen und Getränke eigenständig am Buffet auszuwählen und zusammenzustellen. Durch Übungen, Selbstkontrolltechniken und Videoaufzeichnungen, die während des Essens durchgeführt werden, werden die Familien auf ihre eigenen, das Übergewicht mit verursachenden Essgewohnheiten aufmerksam und lernen, diese entsprechend zu verändern.
Die Einkaufsplanung, der Einkauf und zuletzt die Zubereitung einer gesunden, ausgewogenen, fettarmen und schmackhaften Kost ist Inhalt der Lehrküchenveranstaltung für Eltern und Kinder. Diese kochen hier gemeinsam mit unseren Ernährungsfachkräften. Die zubereiteten Lieblingsspeisen der Kinder werden anschließend gemeinsam verzehrt.
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Bewegungsprogramm und begleitende Angebote
Da ausreichende Bewegung ein unabdingbares Element zur Gewichtsreduktion darstellt, ist ein weiterer Schwerpunkt unserer Behandlung ein intensives Bewegungsprogramm, das Sport, Spiele, Schwimmen sowie körperorientierte Übungen wie Psychomotorik, Haltungsturnen und Schulung der Körperwahrnehmung beinhaltet. An diesem Programm nehmen Eltern und Kinder über weite Strecken gemeinsam teil.
Ziel ist es, den Familienmitgliedern die Freude an körperlicher Aktivität spielerisch zu vermitteln und geeignete Sportarten aufzuzeigen, die im häuslichen Umfeld mit dort vorhandenen Mitteln ausgeübt werden können. Im Rahmen des Bewegungsprogramms erlernen die Kinder Trendsportarten, wie z.B. Skaten (Rollerblades werden bei Bedarf über die Klinik gestellt, wenn keine eigenen vorhanden sind). Darüber hinaus können die Familien die freien Öffnungszeiten unserer Sportabteilung (Schwimmbad, Turnhalle, Ergometer) nutzen. Übergeordnetes Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen körperlicher Bewegung und Gewichtsabnahme praktisch darzustellen und leistungssteigernde Techniken zu vermitteln.
Schule: Lehrer führen den Unterricht für schulpflichtige Kinder und Jugendliche innerhalb der Klinik durch. Von zu Hause mitgebrachte Arbeitsmaterialien können hier in Absprache mit der Heimatschule weiter bearbeitet werden, sodass größere Versäumnisse bezüglich des Lernstoffes vermieden werden. Die Schulferien unserer Schule richten sich nach den Ferien des Bundeslandes Niedersachsen.
Außerdem bieten wir bedarfsweise eine ganztägige erzieherische Betreuung der Kinder an.
Offene Angebote: Für die Kinder und Jugendlichen besteht weiterhin die Möglichkeit, offene Angebote der Klinik, wie z. B. Trampolinspringen, Jonglieren, DLRG-Schwimmen und Kreativtherapie zu besuchen oder das Autogene Training zu erlernen.
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Therapeutenteam und Qualitätssicherung
Die Familien werden von einem interdisziplinären Therapeutenteam betreut, das aus
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Ärzten,
Psychologen,
Oecotrophologen und Diätassistenten,
Sporttherapeuten,
Kunsttherapeuten,
Sozialpädagogen und
Krankenschwestern
besteht.
Zur Evaluierung des Konzeptes werden schriftliche Nachbefragungen (Katamnesen) halbjährlich bis 5 Jahre nach Ende des zweiten stationären Intervalls in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt durchgeführt.
Das Therapieprogramm wird wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Es entspricht dem aktuellen Stand der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) sowie der Konsensusgruppe Adipositasschulung im Kindes- und Jugendalter (KGAS) und ist zusätzlich angereichert durch die oben beschriebene intensivierte psychotherapeutische Arbeit.
Die Festlegungen zur Struktur- und Prozessqualität des Konzeptes wurden in einem Handbuch zusammengefasst.
